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| Lily :: Ich glaub', ich hab's geschafft! |
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kf Newcomer
Anmeldungsdatum: 16.02.2011 Beiträge: 1

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Verfasst am: 18 Feb 2011 5:11 Titel: Noch einer weniger |
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Hallo, bin neu hier.
Erstmal zu meiner Person: Bin nun 21 Jahre alt und wurde neuap. geboren. Als Kind wurde ich brav in die Kirche mitgeschleift, es hieß Kirche sei wichtig, die Werte sind toll, die Gemeinschaft ist schön. Wirklich viel gebracht hat es mir aber nie, es war mir immer unangenehm am Sonntag aufzustehen. Irgendwelche wichtigen Botschaften oder sonstiges nahm ich eigentlich nie mit.
Auch die Gemeinschaft war mir mehr egal. Die restlichen Kinder erschienen mir immer als eigenartig, und als ich zur Jugend kam war ich auch immer der Auffassung die anderen seien irgendwie komplett verweht im Kopf. Ständig dieses scheinheilige fromme Getue, die einzigen Themen die sie anzusprechen wagten waren über Gott und Kirche, ansonsten gabs nicht viel in ihrem Leben das sie mitteilen würden.
Nun denn, im Alter von 14 Jahren, als ich konfirmiert werden sollte, fand bei mir ein riesiger Umbruch statt. Meine Eltern ließen sich drei Jahre zuvor scheiden und zu meinem Vater, der meine Mutter zur NAK bewegte, war nur mehr wenig Kontakt und somit auch die strenge Hand außer Haus, die uns anwies, in die Kirche zu gehen. Der Umgang mit der Kirche wurde immer lascher, auch aufgrund meiner Mutter die die Kirche in dieser Zeit auch nicht allzu ernst nahm. Ständig kamen wir zu spät und es kam immer öfter vor, dass ich garnicht mehr ging weil ich keinen Bock hatte. Und wie man in der Pubertät so ist, blieb ich stur und verharrte darauf, daheim zu bleiben. Mein Vater hielt nichts davon, aber auch das war mir wurst, weil der Kontakt ja nicht mehr da war.
Mit 14 also, kurz vor der Kofirmation, beschloss ich quasi von heute auf morgen garnicht mehr hinzugehen. Meiner Mutter misfiel dies, ebenso meinem Vater und der gesamten Familie väterlicherseits, die sowieso komplett eingeschossen sind auf ihren Glauben.
Vorallem, nachdem sich mein Bruder konfirmieren ließ war es eine große Enttäuschung zu erfahren, dass der zweite Sohn sich nicht konfirmieren lassen will. Aber ich hatte meine Gründe, ich war der Überzeugung, dass ich lieber vor der Konfirmation aussteige als nachher. Auch, dass es Gang und Gäbe ist dem konfirmierten Geschenke zu überreichen war mir komplett wurst, ich hatte meinen Ethos der mir verbot sich konfirmieren zu lassen wenn man zweifelt.
Auch damals war schon der Gedanke, aus der Kirche auszusteigen, meine Stimmung über die Kirche amtlich festzuhalten, gegeben. Aufs beten habe ich ebenfalls geschissen und ich lebte fortan komplett ohne Kirche. Das Aussteigen war mir dann aber auch wurst, weil warum sollte man sich zum Standesamt begeben, wenn man eh keine Kirchensteuer zahlt?
Ich driftete ab 14 auch sonst in vielen Bereichen immer weiter ab. Mit 15 fing ich mit Drogen an und verbrachte 90% meiner Freizeit auf der Straße mit vielen verschiedenen Menschen, die Schule schmiss ich und auch ansonsten hatte ich nur Flausen im Kopf. Das ging so bis ich 17/18 wurde ins Extreme, als dann wieder ein Umbruch stattfand und ich meine Pubertät ab dem Zeitpunkt komplett hinter mir ließ und mit dem schlechten Umgang aufhörte, wieder zur Normalität kam.
Kirche war trotzdem nie wieder ein Thema für mich. Im Gegensatz zu glauben.
Bei Familienbesuchen nach dieser Zeit, denn damals hatte ich den Kontakt zur Familie väterlicherseits komplett abgelehnt, wurde zwar immer scheinheilig mitgebetet, aber ich glaubte nicht mehr daran, mir war es wurst und ich betete nur mit, um meiner Großmutter den Kummer zu ersparen. Ich weiß, würde ich ehrlich sein und sagen was mich bedrückt, würde für sie eine Welt zusammenbrechen, denn sie würde es sowieso nicht verstehen können, und das möchte ich ihr ersparen, denn sie war immer für mich da. Auch wenn sie komplett verbohrte Lebensansichten hat, sie war nie auch nur im Ansatz eine schlechte Großmutter. Vielleicht aufgrund der Kirche mir ein wenig unsympathisch, weil sie, wie gesagt, überfromm rüberkommt, ständig darüber bedacht ist mich von ihrem Gott zu überzeugen und wie wichtig Gott in ihrem Leben ist, aber trotzdem eine herzensgute Frau.
Ich entwickelte mich immer rationaler, weltlicher, wissentlicher, autodidakter, ich halte mehr von Forschung und Wissen als von Glauben und Kirchen.
Durch meine Zeit auf der Straße wurde ich zu einem überaus toleranten Menschen. Ich nahm meine Erziehung zu einem guten Menschen selbst in die Hand, und auch wenn die drei/vier Jahre viel in meinem Leben zerstörten, die Lebenserfahrung, die Toleranz, das war sicherlich nur durch diese Zeit möglich, wäre dies nicht gewesen wäre ich heute ein komplett anderer und in meinen Augen auch viel schlechterer Mensch.
Ich will keinem seinen Glauben madig reden, solange auch keiner mir seinen Glauben aufzwingen will. Ich bin mir bewusst, dass Glauben stark sein kann, dass er in vielen Situationen den Menschen stärkt, aber ich bin schon längst darüber hinaus zu glauben, dass die neuapostolische Kirche die Wahrheit und Gott für sich allein gepachtet hat.
Und ich bin auch jemand, der weiß, dass ich selbst durch den Glauben, den ich in meiner Kindheit noch hatte, vieles anders sah. Nur war es nicht der neuapostolische Grundgedanke, sondern der reine, pure Glauben an sich.
Auch mir wurde in der Kirche noch eingebläut, dass man nicht ins Kino gehen sollte, denn der Herr Jesus könnte kommen und man könnte es verpassen. Auch mir wurde eingeredet, dass ich versuchen sollte meine Freunde zum neuapostolischen Glauben zu bewegen, denn sie blieben sonst auf der Strecke wenn der Heiland kommt.
Und mir wurde gesagt, meine chronische Krankheit sei eine Prüfung und wenn ich genügend bete würde ich geheilt werden. Eine Heilung fand nie statt, trotz verschwendeter Stunden an Gebeten. Das einzige was kam war eine riesige Enttäuschung aus tiefstem Herzen heraus. In einer Situation wie meiner stellt man sich sehr oft die Frage, warum ausgerechnet ich mit solch einem Schicksal auf die Welt kam. Warum ausgerechnet mir, als einer, der sich sehr oft als zu schwach sieht, solch eine starke Prüfung auferlegt wird, wenn es doch viele Menschen geben würde, die eine derartige Prüfung viel leichter wegstecken könnten. Womit hat man diese Situation verdient, wenn man doch sowieso zu den Außerwählten gehört die ja sowieso ein Vorrecht auf die Gnade Gottes besitzen?
Die Zweifel wurden immer größer, immer stärker, die Antwort blieb immer aus, die Gesundheit verschlimmerte sich immer und irgendwann war ich der Überzeugung, dass es durch meine Krankheit keinen gnädigen Gott geben kann.
Und ich habe in meiner Jugend viele sehr sehr gute Menschen kennen lernen dürfen, Menschen, die mich imponiert haben von ihrem Wesen, Menschen zu denen ich aufschauen konnte. Waren sie gläubig? Vermutlich nicht. Möglich, aber selbst wenn, ich kann mich nicht einmal daran erinnern mit irgendjemandem intensiver über Glauben geredet zu haben, da es andere Themen gab. Das Leben war zu genießen, es war kein Jammertal, es waren schöne Sommer und witzige Winter. Wie kann es sein, dass ich mit fremden Menschen mehr Spaß hatte, als mit meiner Familie, die ja doch zur neuapostolischen Kirche gehört? Wie kann es sein, dass es außerhalb der neuap. Kirche korrekte Menschen gibt? Ich hab die Erfahrung machen dürfen und bin froh darüber.
Auch das ist bis heute ein Streitthema zwischen mir und meiner Großmutter. Sie ist der Meinung die eigene Familie sei am wichtigsten, ich bin der Meinung was Familie ist und was nicht suche ich mir selbst aus und Blutverwandtschaft alleine sagt noch null über Sympathie und Verbundenheit aus.
Ich bin auch der Überzeugung, dass Glauben und Kirche zwei Paar Schuhe sind. Glauben ist nicht abhängig davon, wie man seinen Sonntag gestaltet oder wie viel man in die Opferkassen schmeißt.
Nun denn, um langsam auch zum Ende zu kommen: Ich war heute beim Standesamt und hab mich offiziell von meiner Konfession getrennt. Der Beamte fragte zwar, warum ich austreten wollen würde, da ich sowieso keine Kirchensteuer bezahle, aber ich wollte einfach mal Nägel mit Köpfen machen. Neuapostolische Kirche ist nicht das richtige für mich. Ich bin zwar ein gläubiger Mensch, doch ich weiß noch nicht, an was ich glauben soll. Ich bin frei und ungebunden, und kann mir jetzt, 21 Jahre nach meiner Geburt, selbständig die richtige Gemeinschaft und Glaubensrichtung aussuchen und das ist ein gutes Gefühl. Getauft wurde ich ohne meine Einverständnis, doch mein Leben wird mit dem Glauben ausgehen, den ich mir selbst aussuche. |
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Eisblume Großmeister

Anmeldungsdatum: 29.11.2010 Beiträge: 338

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Verfasst am: 18 Feb 2011 10:02 Titel: |
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Lieber kf, herzlich willkommen,
ich bin beeindruckt, ich sehe, Du hast einen selten klaren Blick bereits in so jungen Jahren; dazu benötigen andere Menschen Jahrzehnte, um dahin zu kommen, wo Du jetzt schon bist. Und das ist jetzt auch keine Abwertung für sie.
Es sind sehr viele Aussteiger hier, die man zu den "älteren" Semestern zählt, die eine sehr strenge Erziehung in Sachen NAK-Glauben mitgemacht haben und die stellenweise bis heute an den Folgen knabbern, die alleine schon die brave Einhaltung der Ge- und Verbote verursacht haben. Das kann heute aber an der Verwirklichung der Träume von einem wahrhaft "befreiten" Leben so manchen behindern.
Und ja, Du bestätigst es mir, was ich immer wusste... Im Kern hat sich die NAK nicht verändert, sie schmeisst sich nur alle Nas lang in "neue, moderne" Gewänder, damit die jungen Menschen ihr nicht so schnell abhanden kommen, aber sie erreicht das Gegenteil.
Selbst in der heutigen Zeit versteht die NAK es, in den Mitgliedern nicht Lebensfreude und das JA zum Leben zu fördern und überhaupt zu erzeugen, sondern besteht weiterhin auf diesen seltsamen und wirklich weltfremden Grundsätzen, die ich als lebensfeindlich ansehe und einstufe.
Auch Deine Konsequenz mit dem Austritt finde ich sehr korrekt, bei den jüngeren Menschen sehe und registriere ich auch verstärkt und sogar mit Genugtuung den (erfreulichen) Trend, dass sie sich weder konfirmieren lassen, noch nominelles Mitglied bleiben wollen, sondern sich ganz bewusst früh für diesen richtigen und endgültigen Schritt entscheiden und offiziell austreten. Herzlichen Glückwunsch.
Dein letzter Satz, der gefällt mir besonders gut...
| kf hat folgendes geschrieben: | | Ich bin frei und ungebunden, und kann mir jetzt, 21 Jahre nach meiner Geburt, selbständig die richtige Gemeinschaft und Glaubensrichtung aussuchen und das ist ein gutes Gefühl. Getauft wurde ich ohne meine Einverständnis, doch mein Leben wird mit dem Glauben ausgehen, den ich mir selbst aussuche. |
Genau so ist es goldrichtig, suche, finde und dann behalte das Beste... für Dich. _________________ Achte auf Deine Gedanken,sie werden Deine Worte
Achte auf Deine Worte,sie werden Deine Handlungen
Achte auf Deine Handlungen,sie werden Deine Gewohnheiten
Achte auf Deine Gewohnheiten,sie werden Dein Charakter
Achte auf Deinen Charakter,er wird Dein Schicksal
Achte auf Dein Schicksal,indem Du jetzt auf Deine Gedanken achtest -unbekannt |
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Tom Großmeister

Anmeldungsdatum: 10.09.2009 Beiträge: 297 Wohnort: In der Nachbarschaft von Engeln

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Verfasst am: 18 Feb 2011 16:57 Titel: |
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Hallo und herzlich willkommen hier.
| Zitat: | | Noch einer weniger |
Das ist nicht schlimm, aber was besser ist: HIER EINER MEHR, der von seinen Erfahrungen berichten kann und dadurch dem Einen oder Anderen die Augen öffnen kann.
Wenn man Dir in Deiner Jugend erzählt hat, dass GK nicht in das Kino gehen, dann muss das ja so um 2005 gewesen sein? Selbst für mich unvorstellbar, dass vor so kurzer Zeit dies noch ein Thema war.
Gruß Tom _________________ Nein, Du empfindest keine Nestwärme, das ist die Reibungshitze, die entstanden ist, als man Dich über den Tisch gezogen hat.......... |
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Line Forenprofi

Anmeldungsdatum: 19.10.2010 Beiträge: 86

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Verfasst am: 19 Feb 2011 19:43 Titel: |
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| Zitat: | Und mir wurde gesagt, meine chronische Krankheit sei eine Prüfung und wenn ich genügend bete würde ich geheilt werden. Eine Heilung fand nie statt, trotz verschwendeter Stunden an Gebeten. Das einzige was kam war eine riesige Enttäuschung aus tiefstem Herzen heraus. In einer Situation wie meiner stellt man sich sehr oft die Frage, warum ausgerechnet ich mit solch einem Schicksal auf die Welt kam. Warum ausgerechnet mir, als einer, der sich sehr oft als zu schwach sieht, solch eine starke Prüfung auferlegt wird, wenn es doch viele Menschen geben würde, die eine derartige Prüfung viel leichter wegstecken könnten. Womit hat man diese Situation verdient, wenn man doch sowieso zu den Außerwählten gehört die ja sowieso ein Vorrecht auf die Gnade Gottes besitzen?
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Dieses tief mittelalterliche Gottesbild (Gott prüft oder straft dich mit einer Krankheit) war für mich auch der letzte Tropfen im Faß.
Ich gratuliere dir zu deinem Entschluß. Genieße dein Leben.
LG
Line _________________ Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Aus dem Gedicht " Stufen " von Hermann Hesse |
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