Pooky Newcomer
Anmeldungsdatum: 28.01.2010 Beiträge: 1

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Verfasst am: 30 Jan 2010 1:51 Titel: bin weder NAK'ler noch ein Aussteiger -wo poste ich denn da? |
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Hallo zusammen,
tja, nu hab' ich ein Problem: Zum einen weiß ich gar nicht, ob ich hier in dieser Rubrik richtig bin - zum anderern ob ich mich hier überhaupt zu Wort melden sollte.
Kurz zu mir: Mitte 30, mit Frau & zwei Kids, evangelisch und gerne dabei. Einer der Vorzüge - wie ich finde - ist der halbwegs demokratische Aufbau (z.B. http://www.evang.st/Demokratie ).
Nun.. und warum melde ich mich hier? Ich bilde mir ein, ein halbwegs offenes Welt- und Glaubensbild zu haben. Ich bin einfach der Meinung, daß die konkrete Glaubens"farbe" eigentlich keine Rolle spielt. (Jetzt sehe ich schon die virtuellen erstaunten Blicke aus der einen und höre die 'Nana!'-Rufe aus der anderen Ecke. ;-)) Ich meine - "der Mensch" in all seinen Farben und Ausprägungen ist doch geschaffen nach Gottes "Bild". Das Thema Gottebenbildlichkeit zieht sich doch seit Moses durch alle jüdischen, christlichen und islamischen Lehren. Wenn also so viele verschiedene Menschen"farben" da sind, warum sollte Ihm daran gelegen sein, dass Ihn alle auf die gleiche Art und Weise ansprechen? Macht IMHO keinen Sinn.
Nun habe ich versucht dieses Thema bei meinem evangelischen "Lieblingspriester" anzusprechen und habe dabei ein durchaus offenes Ohr gefunden. Gleiches passierte mir bei meinem ev. Berufsschulpfarrer, bei einem belgischen Bekannten (römisch-katholischer Priester), einem katholischen Mönch in der Eifel und einem NAK-Priester (jetzt fragt mich aber bloß nicht nach der genauen Amtsbezeichnung).
Zurück zum Thema NAK. Hier hatte ich die Gelegenheit, sechs Jahre mit einem Mädel zusammen zu leben, das hier recht aktiv war, bzw. sicherlich auch heute noch ist. Ich habe als Gast quasi jeden zweiten Sonntag "reingeschnuppert", war bei allen Konzerten des Orchesters dabei (meine damalige Freundin war im Orchester des Bezirkes und des NRW Jugenstag dabei), habe so manchen leckern privaten Grill- und Bierabend miterlebt und bin in allen Urlauben der Gastgemeinde mit "empfohlen" worden, oder wie immer man das auch nennen mag. Jedenfalls konnte ich durch halb Europa bei allen NAK-Gemeinden selbstverständlich an allem teilnehmen und fühlte mich nicht wirklich als Gast im Sinnen von etwas Fremden das nur geduldet ist. Ich fand' das immer positiv-lustig. Ich wäre sonst kaum in so vielen Ländern in einen GD gegangen und alle kannten einen sofort, war schon lustig.
Eine "Putzkolonne" ist mir nicht aufgefallen, dafür gab' es eine Reinigungsfirma. "Frühjahrsputz" wurde aber, wie bei uns in der ev. Gemeinde auch, durch Freiwillige unterstützt, einfach um _etwas_ Kosten zu sparen.
Als "Gast" nahm ich vollkommen selbstverständlich am Abendmahl teil, obwohl ich mich zu erinnern meine, daß das bei der NAK anders genannt wurde aber den gleichen Inhalt hatte. Im Gegenzug fragte meine Freundin ihren "Hauspriester" (oder so ähnlich), ob sie denn auch im Gegenzug bei uns evangelischen teilnehmen könnte. Dieser wollte sich bei seinem.. öhm, irgendwie Vorgesetzten in der gleichen Gemeinde erkundigen, ließ aber durchblicken, daß das eigentlich kein Problem sein sollte. Schließlich käme sie ja noch am Sonntag nachmittags vorbei und zwei "Segen" zu erhalten könne nie verkehrt sein. Nach kurzem Gespräch mit diesem "Vorgesetzten" war auch alles kein Problem - im Gegenteil. Er fand es ausdrücklich gut, sich auch andere Eindrücke zu holen, wenn das zwei Menschen (uns) einander näher und zusammen näher dem einen Gott bringen würde.
Anfangs war es jedoch durchaus ein Knackpunkt, daß ich nicht in der NAK bin. Schließlich suche mein Mädel jemanden, mit dem man auch an heiraten & Kinder denken kann. Und natürlich auch daran, sich nach dem Tod in welcher Form auch immer "wiederzusehen" - und das ginge ja nur durch die NAK. Allerdings dauerte es keine zwei, drei Jahre, bis mir auch von den aktiven NAK'lern ein anderer Wind entgegen wehte: Es wäre schön, Dich dabei zu haben. Aber wenn Jesus schließlich käme, um die "Auserwählten" zu sich zu rufen - wer wisse schon, ob er tatsächlich eine Art "Mitgliederverzeichnis" führt oder ob er den Menschen doch eher in die Herzen schaut und nach ihrer christlichen Handlungs- und Lebensweise aussucht.
Weia, ich merke gerade, daß ich nach den ganzen Jahren viele der NAK-typischen Bezeichnungen gar nicht mehr kenne. Ich bitte, mir das nachzusehen.
Das geliebt und gehaßte Thema der Kinderräume.. was soll ich sagen - manchmal wünsche ich mir sowas auch bei uns. Versteht mich nicht falsch, aber alles im Leben hat halt Vor- und Nachteile.
Bei uns gibt es 1x im Monat Familiengottesdienste, da stehen die Kids im Mittelpunkt und sollen, so sie wollen, auch ganz vorne in den ersten Reihen auf Kinderbänken sitzen. Da werden sie immer wieder aktiv mit eingebunden, zum Thema gefragt, zum Vorlesen animiert oder auch zum Laut mitsingen ermuntert. Mir hat das als Kind jedenfalls immer recht viel Spaß gemacht und meine Kids fragen auch schon immer danach, wann der nexte Fam.-GD ansteht.
Anders sieht's an den normalen Sonntagen aus. Da die Themen oft etwas "erwachsenengerechter" ausformuliert sind, wäre Langeweile bei den Kindern vorprogrammiert. Daher gehen nach den ersten 15-20 Minuten die Kinder rüber in die Kinderkirche (ein netter Nebenraum mit kleinem kindlich gestaltetem Altar), singen und basteln dort zum Thema und so weiter. Dann hat's natürlich auch immer diese "overprotective mummies", die ihre Kinder allein dadurch überfordert sehen, nicht andauernd bespielt & bespaßt zu werden - immer und überall. Muß man, während ein netter Chor singt, denn mit einem lauten "Gutschi-gutschi-guuh" das Küken durchkitzeln und selbst lauter lachen wie die Kleine? Kinder scheinen heute immer mehr im absoluten Mittelpunkt stehen zu müssen. Andererseits gibt's auch immer wieder mal kleinste Kinder, die sich aus - welchem Grund auch immer - nicht beruhigen lassen. Jetzt entsteht der Zugzwang - alle anderen stören oder rausgehen und selbst nichts mehr mitbekommen. Manchmal fände ich dann die Idee eines leisen Vorraumes mit Glasfront zum Altar hin schon verlockend: Kind beruhigen, andere nicht stören & trotzdem zuhören können.
Und um falschen Unterstellungen direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja - ich glaube fest daran, daß auch Kinder ab und an den Schnabel halten können sollten ohne dauernd lautstark die letzte Kampf-Manga-Folge gestenreich & lautmalerisch zum Besten geben zu müssen um sich zwischen Erwachsenen in den Mittelpunkt zu drängen. Versteht mich nicht falsch - Kinder sollten alle Freiheiten dieser Welt in vollen Zügen auskosten dürfen - solange sie nicht die Freiheiten anderer Leute dadurch einschränken.
Schwenk.. Thema Ausbildung & Priester. Dauernd wird darüber gemoppert, daß den NAK-Priestern eine seelsorgerische / psychologische Fortbildung fehlt. Gut, wäre schön - aber schaut man sich z.B. die Studieninhalte bei "uns" an ( http://www.uni-pur.de/studienrichtung_evangelische_theologie.php ), fehlt dieses Thema doch genauso, oder? Andererseits sollte man Bildung nicht mit Ausbildung verwechseln!
Ein oft angesprochenes Thema scheint der sektenartige Zusammenhalt zu sein. Ganz konkret hatte meine damalige Freundin einer Bekannten am Sonntag Morgen Bescheid gegeben, daß sie nicht zum Gottesdienst kommen könnte - krank mit Mandelentzündung & Fieber im Bett, ich war als pflegendes Helferchen bei ihr. Nach dem Vormittagsgottesdienst kam dann ihr "Hauspriester" vorbei um sich nach ihr zu erkundigen, wie es ihr ginge, ob sie etwas brauchen würde - Medikamente, etwas von der Apotheke oder sowas. Und wie wäre es mit Essen, ob er seine Frau fragen sollte, daß sie etwas leichtes zu Essen machen sollte oder ob ich kochen könnte. Und dann auch die Frage, ob wir zusammen beten wollten oder ob ihr das unangenehm sei und lieber erst wieder, wenn sie zum GD käme. Außerdem kamen Grüße & Genesungswünsche von allen möglichen Freunden und der/die eine oder andere ließ fragen, ob sie unter der Woche etwas besorgen oder einkaufen sollten oder sonst irgendwas.
Nun ist das sicherlich eine zweischneidige Sache. Ich meine mir zutrauen zu können, Leute ganz gut beurteilen zu können, daher unterstelle ich dem Menschen damals wirklich keine böse Absicht. Ich fand's prima und hätte mir so etwas ähnliches "bei uns" auch das eine oder andere Mal gewünscht.. oder zumindest den Mangel daran im Nachhinein bedauert. Andererseits könnte man mit viel bösen Willen einen Kontrollbesuch unterstellen, der Austiegswillige abfangen soll. Allerdings kam mir das, selbst unterschwellig, nicht so vor.
Eine Sache, die mir bei der NAK teilweise sehr positiv aufgefallen ist, ist das "freie Predigen". Eigentlich finde ich den Gedanken schon interessant, daß nichts vorbereitet & Aufgeschriebenes abgelesen wird. Diese nervtötend-ätzende Art in der rk- oder ev-Priester/Pfarrer predigen wird doch tatsächlich noch unterrichtet & praktiziert!! Mensch, manchmal sehne ich mich nach jemanden, der tatsächlich die Menschen in der Gemeinde direkt ansprechen kann und einen Bibelspruch tatsächlich mit den alltäglichen Problemen in der Praxis in Verbindung bringen kann. Jemand der nicht seine Predigt ableiert wie halb auswendig gelernt & trotzdem nicht verstanden.
Leichte Diskussionen gab's dann schon mal, weil die NAK'ler meinten, ihre Predigt wären ja nicht ihre eigenen Worte sondern direkt von Gott eingegeben (oder so). "Mein" Pfarrer würde das ja vorher vorbereiten und aufschreiben, was ich immer nur kommentierte mit sowas wie "Klar hat er's aufgeschrieben, weil der Herr im kein so gutes Gedächtnis gab. Aber bei dem Aufschreiben hätte Er ihm sicherlich auch den einen oder anderen Gedanken eingegeben.." ;-))
So, damit das alles nicht noch länger wird, breche ich mal ab. Wollte mich also nur kurz vorstellen, meine Gedanken hier reinwerfen und noch fallen lassen, daß es in jeder hinreichend großen Organisation besonders weiße und besonders schwarze Schafe gibt. Man denke nur an irische Kinderheime oder an einen Papst der Kondome in HIV-Hochrisikoländern verteufelt, an bestechliche Polizisten & Lobbyisten in Gremien der Regierung.
Was ich nur nicht verstehe - vielleicht hilft mir ja jemand dabei - warum hier nach dem NAK-Ausstieg so massiv "nachgetreten" wird? Ich meine, wenn mir die Vereinsregeln nicht gefallen trete ich halt aus - auch, wenn die Vereinskameraden das komisch finden. Was meint ihr, was das für eine Prozedur war, aus meinem ehemaligen Karnevalsverein auszutreten? Gibt ja nix Ernsters wie Karneval im Verein! Trotzdem versuche ich meinen Kids dieses Brauchtum näher zu bringen & Freude daran zu haben. Aus der Vereinszeit habe ich noch den einen oder anderen lockeren Kontakt, aber irgendwann verläuft sich das halt, wenn gemeinsame Interessen fehlen. Ist ja keine böse Absicht, so what?
Ach, eins noch: Erst durch den Kontakt zur NAK habe ich den für _mich_ "richtigen" Weg zu beten gelernt. Also nichts auswendig Gelerntes abspulen, sondern einfach mit dem alten Herrn da oben reden, sich bedanken und bitten, darüber reden, was einen bedrückt oder erfreut. Ich weiß nicht ob / wie meine Eltern beten, aber diese offene Art versuche ich auch meinen Kids nahe zu bringen, wenn sie ab und an den Wunsch danach verspüren. Was sollte daran so falsch sein?
Jetzt aber wirklich genug...
Liebe Grüße & Danke fürs "Zuhören",
Pooky
PS: Ich will hier niemanden seine negativen Erfahrungen absprechen!! Ich wundere mich nur, da ich den Verein anders erlebt habe - daher mein Posting & meine Fragen.
edit: Rechtschreibfehler entfernt. |
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